„Bau erst deinen Körper auf“
Persönlicher Bericht zur Wichtigkeit eines starken, geschmeidigen Körperbaus

Vor ein paar Jahren litt ich unter chronischen Rückenproblemen. Ärzte rieten mir routinemässig, das Aikido-Training aufzugeben. Aber ich konnte nicht damit aufhören, da dies den Schmerz nur schlimmer machte.

(Rex Romero, 2019)

12 Jahre lebte ich in Japan in der Nähe des Aikikai Honbu Dojo (Aikikai-Welthauptquartier) in Shinjuku, Tokio, und trainierte fast täglich Aikido. Man kann mich ruhig als Dojo-Verrückten bezeichnen. Ich las viel zum Thema Kampfsport und verfolgte Diskussionen in einem Online-Aikido-Forum. Eine Diskussion mit dem Titel "Nicht-Aikido-Kampfkunst-Traditionen", die von innerem Training, also innerem Kampfkunsttraining, handelte, erregte mein Interesse. Die Debatte war etwas zu chaotisch und so verfolgte ich sie nicht weiter, aber sie hinterliess doch einen gewissen Eindruck.

Das Training im Honbu Dojo ist speziell. Man hat die Möglichkeit, unter verschiedenen Sensei zu trainieren, wobei X Sensei anweisen mag "Mach es so", Y Sensei "Mach es anders" und Z Sensei "Mach es nochmal anders". Man gewöhnt sich daran, konkurrierende Anweisungen zu befolgen. So hört man im Honbu Dojo selten das anderweitig so beliebte „… aber mein Sensei macht das anders…“. Ich konnte mich gut an alle möglichen Anweisungen anpassen, egal wie widersprüchlich, und erkannte, dass es nicht nur einen Weg geben kann, Aikido-Techniken korrekt auszuführen.

Dann kam der gesundheitliche Hammerschlag. Als ich eines Wochenendes aufwachte und aufstehen wollte, fiel ich in mich zusammen, weil mein linkes Bein gefühllos war. Es schmerzte nicht, wollte sich aber partout nicht bewegen. Mein Natel war in der Ladestation am anderen Ende des Zimmers, also konnte ich nicht mal jemanden anrufen. Ich war wie ans Bett gefesselt und fragte mich, ob etwas mit meinem Nervensystem nicht stimmte. Man liest Horrorgeschichten von Menschen mit Wirbelsäulenverletzungen, die ihren Zustand verschlimmern, weil sie sich blöd bewegen, also lag ich einfach nur still da und starrte die Uhr an, bis ich endlich mit den Zehen wackeln, meinen Fuss bewegen und aufstehen konnte. Es war eine beunruhigende Erfahrung.

Danach hatte ich oft stechende Schmerzen im Kreuz, dann in den Oberschenkeln, den Schultern, dem Nacken… Der Schmerz hüpfte willkürlich herum, als würde er mit mir Katz und Maus spielen. Auf der Suche nach Erleichterung konsultierte ich Ärzte, Chiropraktiker und Akupunkteure, ich kaufte eine extra-gesunde Schaumstoffmatratze ... Nichts half. So folgte ich schliesslich widerstrebend der Empfehlung der Ärzte und brach das Aikido-Training ab, worauf die stechenden Schmerzen aber noch schlimmer wurden. Ratlos nahm ich das Training wieder auf, und die Schmerzen liessen etwas nach, aber durch Training allein liessen sie sich nicht überwinden. Mir war klar, dass etwas drastisch ändern musste.

Während meiner Trainingspause hatte ich Zeit, die Debatten über inneres Training, die ich zuvor als chaotisch abgetan hatte, weiterzuverfolgen. Wiederholt wurde im Forum dazu geraten, zuerst den Körper aufzubauen und seine Körperstruktur auf Vordermann zu bringen, bevor man sich in Kampfkunsttechniken drille, denn eine starke Körperstruktur erlaube einem, Technik kraftvoll und korrekt ausüben. Das Training im Honbu Dojo unter den verschiedenen Sensei hatte mich Neuem und Andersartigem offen gemacht, so dass der inneren Kampfkunst nichts im Weg stand.

Minoru Akuzawa (left) & Rex Romero)

Aunkai – Innere Kampfkunst

Laut dem Forum war Minoru Akuzawa, der Gründer von Aunkai, einer der besten inneren Kampfkunstlehrer, und unterichte in einem der Vororte Tokios. Ich besuchte seine Aunkai-Klassen und war von Anfang an tief beeindruckt. Obwohl es ein körperlich anstrengendes Training ist, war ich nachher voll Energie, keine müden Muskeln, sondern ein "Oh wow, das fühlte sich gut an!"-Gefühl. Vor allem nach Soloübungen vibrierte mein Körper fast und mein Kopf war super wach. So ein Gefühl wünscht man sich eigentlich, wenn man Kampfkunsttechniken trainiert. Schrittweise brachte mir das innere Kampfkunsttraining Erleichterung, die Schmerzen liessen nach, wobei ich besonders von der Wirkung der Haltungsübungen überzeugt war.

Schliesslich verschwanden meine Schmerzen ganz (ich weiss jetzt noch nicht, was sie hervorgerufen hatte), und ich konnte wieder zu meinem üblichen Aikido-Trainingsprogramm zurückkehren. Wenn der Schmerz geblieben wäre, hätte ich wahrscheinlich Aikido und Kampfsport ganz allgemein aufgegeben. Man kann seinen Kopf nicht ewig gegen eine Wand schlagen. Auf den Punkt gebracht: Als ich verzweifelt nach einer Kampfsportart suchte, die meinem Körper gut tut, fand ich die innere Kampfkunst, und baue die Prinzipien nun in mein persönliches Aikido-Training ein.

Haftungsablehung: Dies ist ein persönlicher Bericht und sollte nicht als ärztlicher Rat betrachtet werden.

Translating for Minoru Akuzawa during Aunkai Semina Switzerland 2018

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